In der heutigen Kreativwirtschaft arbeiten wir in Teams. Gemeinsam bearbeiten wir planlos Tickets, um ein Produkt zu erstellen und bezeichnen diese Vorgehensweise dann zum Beispiel als Scrum oder Kanban. Jeder kann jede Aufgabe erfüllen, wir sind vollständig austauschbar. Angeblich sind wir alle super kreativ und dürfen in einem modernen agilen Team selbst entscheiden, wie wir arbeiten.

Doch arbeiten wir wirklich selbstbestimmt? Unsere Aufgaben werden durch Tickets vorgegeben, deren Unterteilung nervtötend ist. So viel zum Thema „selbst eingeteilte Arbeit“. Diese Einteilung hat schon jemand anderes für uns übernommen. Zudem müssen wir uns dem Arbeitsstil des Teams unterwerfen und stehen bei unseren agilen Projekten unter ständigem Zeitdruck.

Für Ideensprudler oder elegante Lösungsansätze bleibt kein Raum mehr. Wir verkommen zu Sachbearbeitern des kreativ-agilen Teams. Und plötzlich sind wir alle nur noch Sachbearbeiter. Kreatives Denken spielt keine Rolle mehr. Wir ersticken, wenn wir unsere Vorstellungskraft nicht bei der Planung einbringen dürfen und aufgrund des Zeitdrucks keine Zeit haben, neue Ideen zu formulieren.

Im Team muss man sich unterordnen, und es ist schwierig, sich zurückzuziehen. Für Höchstleistungen, die die Effizienz des Produkts erhöhen und auf lange Sicht Zeit gegenüber der Konkurrenz sparen, braucht man jedoch Ruhe. Ablenkung von eintönigen, unsinnigen Aufgaben ist nicht vorgesehen.

Warum darf jedes Teammitglied nicht selbst entscheiden, welche Aufgaben er oder sie erledigen will? Wir sind ja nicht alle Sachbearbeiter, wir sind alle verschieden. Diversity-Management? – Fehlanzeige. Wie sollen wir mit spielerischer Freude Höchstleistungen erbringen, wenn es keinen individuellen Freiraum mehr gibt? Agile Arbeit darf nicht bedeuten, dass wir alle gleich gemacht werden.

Wir sind alle verschieden, und jeder hat besondere Fähigkeiten. Geistige Höchstleistungen erfordern Ruhe, die wir bei der Teamarbeit und an offenen Arbeitsplätzen nicht finden. Jeder Mensch arbeitet anders. Nur wenn dies berücksichtigt wird, können wir uns frei entfalten. Mit agilen Ticketmaschinen, die uns das Tempo vorgeben, verkommen wir alle zu einfallslosen Sachbearbeitern.

Man freut sich, wenn mal wieder ein Projekt gegen die Wand gefahren wird, weil aufgrund einer nicht nachvollziehbaren Ticketaufteilungen plötzlich ein ganz anderes Produkt entsteht. Oft wissen die Teams letztendlich überhaupt nicht mehr, warum das Produkt auf eine bestimmte Weise funktioniert. Dies geschieht nur, wenn wir vergessen, unsere ganzheitliche Vorstellungskraft einzusetzen. Vorstellungskraft fördert Kreativität. Die Haltung „mal sehen, was passiert“ wirkt der Kreativität entgegen.

Mit dieser Haltung entwickelt man Marsraketen, die es nicht einmal bis zum Mond schaffen. Die Schwerkraft wird diesen Produkten bald ein Ende bereiten.